Am 16. März 1970 startete der Deutsche Sportbund eine Kampagne mit dem Namen "Trimm Dich durch Sport". Es folgte eines der erfolgreichsten Bewegungsprogramme, die dieses Land je hatte, und bis in die Achtziger standen etwa 1.500 Trimm-dich-Anlagen in deutschen Wäldern.
Dann hörte es auf. Der Höhepunkt lag in den späten Siebzigern, danach haben viele Gemeinden ihre Pfade aufgegeben. Ein Teil steht trotzdem noch, und seit etwa 2018 berichten wieder Zeitungen von Comebacks, weil einzelne Gemeinden ihre Strecken herrichten. In der Corona-Zeit ging das nochmal von vorne los.
Dieser Text handelt nicht von Klimmzügen. Er handelt davon, dass irgendwo in deiner Nähe eine fertige Runde durch den Wald liegt, die jemand für dich gebaut hat, die nichts kostet und die du wahrscheinlich noch nie gegangen bist.
Was so ein Pfad eigentlich ist
Ein Trimm-dich-Pfad ist ein Rundweg mit Stationen. Das ist der ganze Aufbau.
Und drei Eigenschaften davon sind für das Gehen interessanter als für den Sport:
Er ist eine Schleife. Kein Hin und Zurück. Wer eine Strecke hin und wieder zurück geht, geht dieselbe Linie zweimal. Eine Schleife von gleicher Länge deckt die doppelte Fläche ab.
Er liegt im Wald. Meistens im Stadtwald oder im Gemeindewald, also in dem größten zusammenhängenden Stück deiner Umgebung, in das du sonst nie hineingehst.
Er hat Stationen. Zwölf bis zwanzig Stück, nummeriert, mit Schildern. Das ist der unterschätzte Teil: Die Stationen geben dem Weg eine Reihenfolge und ein Ende. Man merkt, wann man fertig ist. Eine Waldrunde ohne Nummern hat das nicht.
Warum das auf der Karte etwas bringt
Beim Gehen deckst du ungefähr einen 30 Meter breiten Streifen auf, fünfzehn Meter nach jeder Seite.
Ein typischer Pfad ist zwei bis drei Kilometer lang. Das sind bei drei Kilometern etwa 0,09 Quadratkilometer, und das ist für sich genommen wenig.
Die Rechnung geht trotzdem auf, aus einem anderen Grund. Der Pfad ist nicht das Ziel, er ist der Türöffner. Ein Waldstück, in dem einmal ein Pfad angelegt wurde, hat fast immer ein ganzes Netz aus Forstwegen, und die sind alle begehbar. Wer den Pfad einmal gefunden hat, hat damit einen Zugang zu dem Teil der Gemarkung gefunden, der auf der eigenen Karte am dunkelsten ist. Wie dunkel der genau ist, steht in Grenzgang: Das Leben findet in der Mitte statt, der Wald liegt am Rand.
Wie du deinen findest
Es gibt kein zentrales Verzeichnis, und das ist der Grund, warum die Dinger vergessen wurden.
Was funktioniert: die Seite der Gemeinde oder des Forstamts, die Suche nach dem Ortsnamen zusammen mit "Trimm-dich-Pfad" oder "Waldsportpfad", OpenStreetMap, wo solche Anlagen als eigene Objekte erfasst sind, und die Wandertafel am Waldparkplatz, auf der sie oft noch eingezeichnet sind, auch wenn sonst niemand mehr davon redet. Ältere Nachbarn wissen es fast immer.
Vier Arten, ihn zu benutzen
- Als Runde, nicht als Training. Die Stationen kannst du auslassen. Der Weg funktioniert auch ohne, und die Nummerierung allein reicht schon, um eine Runde vollständig zu gehen statt nur anzufangen.
- Als Startpunkt ins Wegenetz. Einmal die offizielle Runde, und beim zweiten Mal an einer Station abbiegen. Ab da bist du in einem Waldwegenetz, das niemand bewirbt.
- Im Winter. Ohne Laub siehst du die Struktur des Waldes, die Wege sind eindeutiger, und es ist niemand sonst da. Nebenbei ist die Ortung unter kahlen Bäumen deutlich besser als unter geschlossenem Blätterdach.
- Mit Kindern. Der Pfad ist genau dafür gebaut. Zwanzig nummerierte Stationen sind ein Spiel, drei Kilometer Wald sind eine Diskussion.
Was die Karte daraus macht
Ein Schrittzähler sieht bei einer Waldrunde dasselbe wie bei der Runde um den Block. Gleiche Schritte, gleiche Zahl.
Eine Nebelkarte nicht. Das Prinzip kennst du aus Strategiespielen: Die Karte ist zu Beginn verdeckt, und Gehen lichtet den Nebel in einem Streifen um dich herum. Wie das funktioniert, steht in Fog of War, aber echt.
Bei Waldrunden sieht man den Unterschied besonders deutlich, weil der Wald auf der eigenen Karte fast immer eine große, zusammenhängende, komplett schwarze Fläche ist. Fogbreaker rechnet das mit Gebieten in einen Prozentwert pro Stadtteil um.
Drei ehrliche Anmerkungen
Die Geräte sind teilweise kaputt. Fünfzig Jahre altes Holz im Freien wird morsch, und nicht jede Gemeinde prüft das noch. Wenn eine Station wacklig ist oder das Schild fehlt, ist sie kein Sportgerät mehr, sondern Deko. Der Weg zwischen den Stationen ist der Teil, der sicher funktioniert.
Die Kampagne von 1970 war Werbung. Ein guter Zweck, aber eben eine Kampagne, und die Fitnessversprechen von damals sollte man nicht als Trainingsplan lesen. Als Wegenetz ist das Erbe trotzdem echt.
Und Nebel lichtet sich nur draußen mit GPS. Unter dichtem Blätterdach wird die Ortung ungenauer, das ist eine Eigenschaft der Geräte und nicht der App. Im Wald also eher grobe Linien erwarten als Millimeterarbeit. Fogbreaker ist kostenlos für iOS und Android.
